FLEISCHEREI LÜHRMANN

Mit der Gründung im Jahre 1919 gehört die Fleischerei Lührmann zu den ältesten noch bestehenden Unternehmen in Warnemünde an der Ostsee. Begründet und eröffnet wurde das Geschäft damals vom Fleischermeister Wilhelm Lührmann (1885-1966).  Der aus Gnoien stammende Wilhelm Lührmann fand in diesem Geschäft in der Mühlenstrasse 22 in Warnemünde seine Berufung. Sein Sohn Willy war zu diesem Zeitpunkt bereits 7 Jahre alt und erlernte dann später ebenfalls den Handwerksberuf des Vaters. Die Ausbildung absolvierte er in Bremen, Dresden, Karlsruhe und Berlin. In letzterer besuchte er die Fachschule. Den Meisterbrief für das Fleischerhandwerk hielt er bereits 1937 in den Händen. Als er 1941 seine Frau Charlotte, die Tochter eines aus Neubrandenburg stammenden Schneiders heiratete, war er bereits als Soldat für den Einsatz im 2. Weltkrieg einberufen worden. Kurze Zeit später, im Jahre 1946, nachdem sein Vater ihm den Betrieb übergeben hatte, verhafteten ihn Angehörige der russischen Kommandantur, weil 2 Schweine, die er schlachten sollte, verschwunden waren. Jedoch nach einigen Tagen ließ man ihn wieder auf freien Fuß.

 

 

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Gemeinsam mit seiner Frau, die über viele Jahre hinter dem Ladentisch stand, führte er den Betrieb durch die Nachkriegsjahre und die Zeit der Lebensmittelkarten bis hin in das Jahr 1953, in welchem auch die in Warnemünde Aktion ,,Rose" stattfand. Die Aktion Rose war eine Aktion der DDR-Regierung zur Verstaatlichung von Hotels, Taxi- und Dienstleistungsunternehmen am 10. Februar 1953. Der Fokus richtete sich auf die Badeorte der Ostseeküste, besonders aber auf Rügen. Anlass soll ein Besuch von Walter Ulbricht auf der Insel Rügen gewesen sein, bei welchem er sich über die vielen noch existierenden privaten Hotels und Pensionen geärgert hatte. Familie Lührmann befürchtete Repressalien und flüchtete kurzfristig nach Hamburg. Das Geschäft übernahm währenddessen der Konsum (Die Konsumgenossenschaften der DDR).



Nach einen Jahr kehrte die gesamte Familie zurück und zog wieder in das Haus und das Geschäft ein. Willy Lührmanns Fleischerei erreichte in den Folgejahren einen großen Bekanntheitsgrad, was die Qualität und Frische der Ware anging. Gisela Lührmann (geb. 1947) heiratete Peter-Michael Eichner. Der gebürtige Oschatzer hatte auf der MS ,,Johann Gottlieb Fichte" den Beruf des Vollmatrosen erlernt und war 10 Jahre auf verschiedenen Schiffen (zum Schluss als Bootsmann) zur See gefahren. Nach der Eheschließung entschied er sich an Land zu bleiben und in das Geschäft von Schwiegervater Lührmann mit einzusteigen. Aber erst einmal schulte er auf das Fleischerhandwerk um und absolvierte ein Studium an der Ingenieurschule für Fleischwirtschaft in Dahlen bei Leipzig. 1976 übergab Willy Lührmann ihm den laufenden Betrieb. Peter-Michael Eichner war sehr an Neuerungen im Geschäft interessiert. Noch während der DDR-Zeit besuchte er mit seiner Frau eine Fachmesse in Brünn, wo er Kontakte mit westdeutschen Fachhändlern knüpfte und von wo er kurz darauf dringend benötigte Därme erhielt, die der DDR-ZOLL umgehend beschlagnahmte. Mit der Wende begann er sofort mit der Modernisierung des Betriebes. Inzwischen ist auch der Partyservice - das kalte und das warme Buffet – aus der Küche von Eichners nicht mehr wegzudenken.

Willy Lührmann, der leider 2001 verstarb durfte noch miterleben, wie Enkel Christian nach der Fleischerlehre an der Ingenieurschule für Fleischwirtschaft studierte und wie Michael ebenfalls das Handwerk seines Vaters, Groß- und Urgroßvaters, bei einem Berufskollegen erlernte. Privat fühlen sich Eichners immer noch sehr mit dem Wasser verbunden, Peter-Michael, der trotz seiner jahrelangen Seefahrt nie Australien sah, freut sich auf die Rente und dann auf eine Fahrt in das Land seiner Träume.